Die Stiftung

Stiftungsporträt

Nach dem Tod von Dr. Dr. Heinrich Netheler im Jahre 1999 haben die vier Enkelinnen – Christiane Schulz, Elisabeth von Loeper, Gabriele Weilandt und Catharina Arp – beschlossen, die Erinnerung an ihren Großvater durch eine Stiftung aufrecht bzw. lebendig zu halten.


Wer war Dr. Heinrich Netheler?

„Der Gegenstand des Unternehmens ist die Entwicklung und Fertigung von Geräten für das Gesundheitswesen, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit beitragen.“ (Auszug aus der Satzung der Eppendorf AG)

Dr. Heinrich Netheler hatte vor allem eine humanitäre Vision: Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit. Dieser Leitspruch prägte sein gesamtes Leben.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war gerade die Fortentwicklung der Medizintechnik für die Lösung dieser elementaren Aufgabenstellung unabdingbar. Und so gründete Dr. Heinrich Netheler die heutige Eppendorf AG auf dem Gelände des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg. Nach dem Krieg gab es zahlreiche defekte medizinische Geräte, so dass zunächst mit Reparatur­aufträgen für das UKE begonnen wurde. Doch schon bald geht die Arbeit über die reine Reparaturleistung hinaus, und erste eigene Apparaturen werden entwickelt. Das Unternehmen floriert.

In den folgenden Jahrzehnten entstehen zahlreiche neue Geräte und Techniken, die von der Fachwelt nicht selten als Meilensteine gewürdigt werden. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Entwicklung der modernen Analysenmethodik wird Dr. Heinrich Netheler im Jahr 1979 die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Medizin der Universität Hamburg verliehen.

Heute entwickelt, produziert und vertreibt die Eppendorf AG Geräte, Verbrauchsartikel und Dienstleistungen für den Einsatz in Laboren weltweit. Das Produktangebot umfasst zum Beispiel Pipetten, Pipettierautomaten, Dispenser, Zentrifugen, und Mischer sowie Verbrauchsartikel wie Reaktionsgefäße und Pipettenspitzen. Darüber hinaus stellt Eppendorf Ultra-Tiefkühlgeräte, Fermenter und Bioreaktoren, CO₂-Inkubatoren, Geräte zur DNA-Vervielfältigung, Spektrometer und Systeme zur Zellmanipulation her. Das Unternehmen besitzt Tochtergesellschaften in 26 Ländern, weltweit sind mehr als 3.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Kurzbiographie Dr. Heinrich Netheler
  • 27. Mai 1909 Geburt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Grönloh
  • 1928 Abitur am Gymnasium Quakenbrück
  • 1934 Abschluss des Studiums der Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule Braunschweig
  • 1934 wissenschaftlicher Assistent an der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof
  • 1941 Promotion durch die Technische Universität Berlin zum Doktor-Ingenieur mit einer Arbeit über die Optimierung von Flugzeugstabantennen
  • 1943 wissenschaftlicher Assistent der „Reichsstelle für Hochfrequenzforschung e.V.” in Rechlin
  • 1945 Die „Arbeitsgruppe Dr. Netheler” lässt sich auf dem Gelände der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf – UKE – nieder.
  • 1946 Gründung der „Elektromedizinische Werkstätten GmbH” mit dem Ziel, wissenschaftliche Apparate für die Forschung der Institute des UKE zu konstruieren.
  • 1954 Umbenennung der Arbeitsgruppe in Netheler & Hinz GmbH
  • 1958 Patentierung der Kolbenhubpipette
  • 1971 Dr. Heinrich Netheler scheidet aus der Unternehmensführung aus – Unternehmensstand: 400 Mitarbeiter, 34 Mio. DM Umsatz
  • 1979 Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Medizin der Universität Hamburg
  • Am 16. Januar 1999 verstirbt Heinrich Netheler.

Gründung der Stiftung

Dr. Heinrich Netheler hatte durch seine humanitäre Vision stets eine außergewöhnlich innovative Denkweise. Und genau diese Denkweise soll sich auch in der Stiftung und den ausgewählten Förderbereichen wiederfinden. Das Thema Bionik erscheint uns in diesem Zusammenhang perfekt als Schwerpunkt geeignet.

Wir sehen in der Natur eine Inspirationsquelle für Innovationen, die jedoch noch nicht ausreichend genutzt wird. Durch vermehrte Forschung im Bereich Bionik könnten aus unserer Sicht noch mehr Innovationen mit einer besseren Umweltverträglichkeit entstehen.

Daher haben wir uns bewusst für die Bionik als einen Förderschwerpunkt entschieden, um diesen Bereich in der Gesellschaft bekannter zu machen. Zusätzlich soll dieses Thema auch nochmal unsere Zukunftsorientierung unterstreichen, die in unserem Stiftungsgrundsatz verankert ist: „Fortschritt liegt in unserer Natur”.

Die Idee der Bionik ist es, die Lösungen der Evolution zu erschließen und die Naturprinzipien sinnvoll in technische Lösungsansätze zu übertragen. Dabei versucht sie nicht, einfach die Natur zu kopieren, sondern als Inspiration für moderne und umweltfreundliche Hightechprodukte zu nutzen. Die Bionik schlägt damit die Brücke zwischen Biologie und Technik.

In Deutschland gibt es schon seit langem einen Mangel an gut ausgebildetem Ingenieurnachwuchs. Damit Jugendliche sich für diesen Beruf entscheiden, muss das Interesse an dem Thema „Technik & Natur” bereits in der Schule geweckt werden. Allerdings standen die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) dort lange nicht im Fokus. Doch zum Glück ändert sich dies nun mit vielen verschiedenen MINT-Initiativen an Schulen und auch an außerschulischen Lernorten.

Für eine zeitgemäße Bildung braucht man jedoch einen Unterricht, der die Jugend begeistert. Da heißt also nicht nur eine reine Präsentation des Unterrichtsinhaltes, sondern das eigenständige Erarbeiten des Stoffgebietes durch beobachten, anfassen, ausprobieren, verstehen. Nur so funktioniert nachhaltiges Lernen und das Begeistern für ein ausgewähltes Thema.

Das Gebiet der Bionik ist dafür prädestiniert. Und hier setzt die Arbeit der Stiftung an:

Wir wollen das Thema Bionik bei der Jugend bekannter machen und für dieses Thema begeistern. Dafür haben wir unser Konzept „Bionik – Die Natur macht’s vor!” entwickelt: ein spannender Experimentierkurs für Klassen 3 bis 6, der den Jugendlichen einen Einblick in die wissenschaftlichen Hintergründe der Bionik geben soll.


Stiftungszweck

Die Stiftung fördert die Forschung, Ausbildung und Fortbildung auf den Gebieten der Biotechnik, Molekularbiologie, Biomedizin und speziell der Bionik.

Diese Zwecke werden verwirklicht insbesondere

  1. durch die ideelle und materielle Förderung anderer steuerbegünstigter Körperschaften oder Körper­schaften des öffentlichen Rechts, indem diesen Geld- und Sachmittel zur ausschließlichen und unmittelbaren Erfüllung der vorbezeichneten Zwecke zugewendet werden,

  2. durch Vergabe von Preisen, insbesondere für herausragende Forschungsarbeiten, Habilitationen, Dissertationen und Diplomarbeiten auf dem Gebiet der Biotechnik, Molekularbiologie, Biomedizin und Bionik,

  3. durch Vergabe von Stipendien, Gewährung von Zuschüssen und Vergabe von Beihilfen zu den notwendigen Sachkosten konkreter Ausbildungs- oder Forschungsprojekte an Empfänger, die dem nach den Richtlinien (Ziff. 2) begünstigten Personenkreis angehören.

Vorstand

  • Catharina Arp, Jahrgang 1974, ist die Vorstandsvorsitzende der Dr. Heinrich Netheler Stiftung. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur medizinisch technischen Assistentin in Münster absolvierte die jüngste Enkelin Dr. Nethelers ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen. Verschiedene Auslandsaufenthalte führten sie während des Studiums nach Paris und London.

    Sie arbeitet seit 2006 im Bereich Geschäftsentwicklung bei einem hamburgischen Pharmaunternehmen, das Arzneimittel für Epilepsie und Parkinson herstellt und vertreibt. Nebenberuflich ist sie Sängerin und hatte diverse Auftritte seit 2005.

  • Christiane Schulz
  • Elisabeth von Loeper

Promotionspreis UKE

Heinrich Netheler-Promotionspreis für Molekularbiologie – Promotionspreis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Studierende der Medizin und junge Ärztinnen und Ärzte machen mit ihrer Doktorarbeit meistens ihre ersten wissenschaftlichen Erfahrungen. Sie nehmen wissenschaftliche Fragestellungen auf, lernen Forschungsmethoden und erleben die Faszination eines neuen Befundes, den sie selbst erheben konnten. Frust und Erfolg sind launische Begleiter auf diesem Weg.

Der Freundes- und Förderkreis des UKE e.V. möchte junge Menschen zu weiterer wissenschaftlicher Arbeit ermutigen, indem er sich dafür einsetzt, dass sehr gute Leistungen belohnt werden. Leistung muss Spaß machen. Freude ist der Motor für erfolgreiche Arbeit.

Ein Promotionspreis ist für ein bestimmtes Fachgebiet ausgebracht und meistens mit dem Namen eines Wissenschaftlers verbunden. Einmal jährlich wird der Heinrich Netheler-Promotionspreis für Molekularbiologie verliehen.

Bisherige Preisträger

2006

Dr. rer.nat. Alexander Laatsch, Institut für Biochemie und Molekularbiologie, UKE:
„Die Rolle des low density lipoprotein receptor-related protein I im humanen Lipoproteinstoffwechsel“

2007

Dr. rer.nat. Anna Wulf, Institut für Biochemie und Molekularbiologie III, UKE:
„Regulation of gene expression by thyroid hormone and thyroid hormone dependent cofactors – analyses in selected human and rat cell lines“

2008

Dr. rer.nat. Stefan Kernstock, Institut für Immunologie, UKE:
„In silico Analysen, rekombinante Espression und Struktur-Funktionsanalysen humaner ADP-Ribosyl-X Hydrolasen (ARHs)“

2009

Dr. med. Christoph Benedikt Westphalen, Institut für Entwicklungsneurobiologie, Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg, UKE:
„Das antiapoptotische Protein Bax Inhibitor-1 schützt Zellen vor kombiniertem Sauerstoff- und Glucoseentzug, indem es die Kalziumkonzentration im endoplasmatischen Retikulum verringert“

2010

Dr. med. Elion Hoxha, Institut für Biochemie und Molekularbiologie, UKE:
„Untersuchungen zur Funktion einer mutierten Form der p85a-Untereinheit der Phosphatidylinositol-3-Kinase (p76a) für das Wachstum hämatopoetischer Zellen“

Dr. rer. nat. Ralf Scholz, Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg, UKE:
„Ein EMPA-Rezeptor-BRAG2-Komplex aktiviert Arf6 bei synaptischer Langzeitdepression in Rattus norwegicus (Berkenhout, 1769)“

2011

Dr. rer. nat. Janusz Wesolowski, Institut für Immunologie, UKE:
„Klonierung des Lama glama (Linnaeus, 1758) Schwereketten-Antikörper-Genlokus und Herstellung von Konstrukten für Lama Antikörper produzierende transgene Mäuse“

2012

Dr. rer. nat. Hardy Schweigel, Institut für Klinische Chemie, UKE:
„Untersuchung der ADP-induzierten Tyrosinphosphorylierung in humanen Thrombozyten“

Dr. rer. nat. Mandy Unger, Institut für Immunologie, UKE:
„Klonierung und molekulare Charakterisierung von Einzeldomänen-Antikörpern gegen das membranständige Ekto-Enzym CD38 aus homo sapiens und gegen Toxine aus Clostridium difficile“

2013

Dr. rer. nat. Friederike Raczkowski, Institut für Immunologie, UKE:
„Interferon regulatory factor 4 ist ein Schlüsselregulator der Differenzierung von peripheren CD8 T-Zellen“

2014

Dr. med. Sybille Lorenz, Institut für Humangenetik, UKE:
„Mutations- und Funktionsanalyse von Proteinen aus dem RAS-MAPK-Signalweg, die im Zusammenhang mit den neuro-kardio-fazio-kutanen Syndromen stehen“

Dr. rer. nat. Belinda Berdien, Abteilung für Zell- und Gentherapie, UKE:
„Optimierung des T-Zell-Rezeptor-Gentransfers in primären T-Zellen für die adoptive Immuntherapie“

2015

Dr. med. Sebastian Guhr, III. Medizinische Klinik, UKE:
„The expression of podocyte-specific proteins in parietal epithelial cells is regulated by protein degradation“

2016

Dr. med. Raluca Wroblewski, Zentrum für Innere Medizin, UKE:
„Rolle des Tumornekrosefaktor Rezeptors (THNR1) bei Lebererkrankungen im Mausmodell“

2017

Dr. rer. nat. Leonie Brockmann, I. Medizinische Klinik und Poliklinik Molekulare Gastroenterologie und Immunologie, UKE:
„Bedeutung des IL-10 Rezeptor Signalings für die Funktion von TR1 regulatorischen T Zellen in vivo“

2018

Dr. rer. nat. Thomas Eden, Institut für Immunologie, UKE:
„Herstellung und Charakterisierung von Lama Schwere-Ketten-Antikörper produzierenden transgenen Mäusen“


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Mehr informationen über den Promotionspreis finden Sie direkt auf der Website des UKE Hamburg: